Beim Donaueschinger Autozulieferer IMS Gear sollen bis zu 300 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, das Werk in Aasen soll geschlossen werden. Viele Beschäftigte fragen sich jetzt: Bin ich betroffen? Muss ich eine Versetzung nach Villingen-Schwenningen oder Trossingen akzeptieren? Soll ich einen Aufhebungsvertrag unterschreiben? Und wie hoch kann eine Abfindung ausfallen?
IMS Gear gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Arbeitgebern im Schwarzwald-Baar-Kreis. Umso größer ist die Verunsicherung unter den rund 1.500 Beschäftigten in Deutschland, nachdem das Unternehmen ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt hat.
IMS Gear plant Stellenabbau – was bisher bekannt ist
Nach einem Bericht der Badischen Zeitung vom September 2026 will IMS Gear weltweit 35 Millionen Euro einsparen, davon rund 20 Millionen Euro bei den Personalkosten in Deutschland. Bis zu 300 Stellen sollen wegfallen. Geplant ist, das Werk im Donaueschinger Stadtteil Aasen zu schließen und die dortige Produktion auf die Standorte Villingen-Schwenningen und Trossingen zu verteilen. Der Standort Eisenbach soll erhalten bleiben.
Als Grund nennt das Unternehmen einen deutlichen Umsatzrückgang und die schwierige Lage in der Automobilindustrie. Bemerkenswert: Seit dem letzten Personalabbau 2020 hatten die Beschäftigten im Rahmen eines Bündnisses für Arbeit auf Sonderzahlungen sowie Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes verzichtet – im Gegenzug gab es keine betriebsbedingten Kündigungen. Diese Zusage scheint nun nicht mehr zu tragen.
Für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt sich deshalb die entscheidende Frage:
Was kann ich tun, wenn mein Arbeitsplatz bei IMS Gear gefährdet ist?
Werk Aasen schließt – heißt das automatisch Kündigung?
Nein. Wenn die Produktion nicht eingestellt, sondern an andere Standorte verlagert wird, fällt die Arbeit nicht einfach weg – sie wird woanders erledigt. Der Arbeitgeber muss deshalb prüfen, ob Beschäftigte an einem anderen Standort des Unternehmens weiterbeschäftigt werden können. Eine Kündigung ist nur das letzte Mittel.
Umgekehrt gilt: Auch eine Versetzung oder eine Änderungskündigung mit neuem Arbeitsort muss rechtlich sauber sein. Ob Sie einen Wechsel nach Villingen-Schwenningen oder Trossingen hinnehmen müssen und zu welchen Bedingungen, hängt von Ihrem Arbeitsvertrag und den Vereinbarungen mit dem Betriebsrat ab.
Betriebsbedingte Kündigung bei IMS Gear – muss ich diese hinnehmen?
Nein. Auch bei einem großen Stellenabbau ist nicht jede Kündigung wirksam. Eine betriebsbedingte Kündigung setzt unter anderem voraus:
- Der Arbeitsplatz fällt tatsächlich und dauerhaft weg.
- Es gibt keine freie, zumutbare Stelle an einem anderen Standort des Unternehmens.
- Die Sozialauswahl ist richtig – Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten und eine Schwerbehinderung müssen berücksichtigt werden.
- Der Betriebsrat wurde ordnungsgemäß angehört.
- Bei einer größeren Zahl von Entlassungen wurde die Agentur für Arbeit im gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren informiert (Massenentlassungsanzeige).
Gerade bei Restrukturierungen dieser Größenordnung sind die formalen Anforderungen hoch – und Fehler kommen vor. Wichtig ist auch: Wenn Arbeitgeber und Betriebsrat einen Interessenausgleich mit einer Namensliste der zu kündigenden Beschäftigten vereinbaren, wird die Verteidigung gegen eine Kündigung deutlich schwieriger. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Prüfung.
Kündigung erhalten? Die 3-Wochen-Frist unbedingt beachten
Für eine Kündigungsschutzklage gilt eine Frist von nur drei Wochen ab Zugang der Kündigung. Wird sie versäumt, gilt die Kündigung in aller Regel als wirksam – auch wenn sie eigentlich angreifbar gewesen wäre.
Außerdem müssen Sie sich spätestens drei Tage nach Erhalt der Kündigung bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden, sonst droht eine Kürzung beim Arbeitslosengeld.
➡️ Kündigung nicht vorschnell akzeptieren
➡️ keine Dokumente ungeprüft unterschreiben
➡️ frühzeitig arbeitsrechtlichen Rat einholen
Aufhebungsvertrag bei IMS Gear: Erst prüfen lassen – dann unterschreiben
Bei Stellenabbauprogrammen werden häufig Aufhebungsverträge oder Freiwilligenprogramme angeboten, teils auch der Wechsel in eine Transfergesellschaft. Das kann sinnvoll sein – birgt aber Risiken:
- Ist die angebotene Abfindung angemessen, gemessen an Ihren Chancen in einem Kündigungsschutzverfahren?
- Droht eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen beim Arbeitslosengeld?
- Wird die Kündigungsfrist eingehalten?
- Sind Freistellung, Resturlaub, Zeugnis und Sonderzahlungen geregelt?
- Was passiert mit Ansprüchen aus dem früheren Verzicht im Rahmen des Bündnisses für Arbeit?
Ein unterschriebener Aufhebungsvertrag lässt sich in aller Regel nicht widerrufen. Lassen Sie ein Angebot deshalb prüfen, bevor Sie unterschreiben – auch wenn Druck gemacht oder eine kurze Annahmefrist gesetzt wird.
Am I entitled to a severance payment?
Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf Abfindung gibt es nicht. Bei einer Werksschließung wie in Aasen ist aber regelmäßig ein Sozialplan zu verhandeln, der Abfindungen und andere Ausgleichsleistungen vorsieht. Daneben können Abfindungen vereinbart werden:
- im Rahmen eines Sozialplans,
- in einem Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag,
- oder im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens.
Wie viel möglich ist, hängt stark vom Einzelfall ab – insbesondere davon, wie angreifbar eine Kündigung wäre. Oft lässt sich mehr erreichen als zunächst angeboten.
Betroffen vom Stellenabbau bei IMS Gear? Ich unterstütze Sie im Arbeitsrecht
Ich berate Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Donaueschingen, Villingen-Schwenningen, Trossingen und der gesamten Region Schwarzwald-Baar-Heuberg – persönlich oder per Telefon und Video:
✓ betriebsbedingte Kündigung und Änderungskündigung
✓ Kündigungsschutzklage
✓ Prüfung von Aufhebungsverträgen und Angeboten zur Transfergesellschaft
✓ Verhandlung von Abfindungen
✓ Fragen zu Versetzung, Sozialplan und Interessenausgleich
Wenn Sie bei IMS Gear beschäftigt sind und eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag erhalten haben – oder befürchten, dass es dazu kommt –, warten Sie nicht ab.
Lassen Sie Ihre Situation frühzeitig prüfen. Oft bestehen bessere Möglichkeiten, als viele Beschäftigte zunächst vermuten.
